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Wer einen Blick in oft kleinere Gassen in Szene Vierteln der grossen europäischen Städten wirft, dem wird das Bild nicht unbekannt sein. Kleine Boutiquen mit hochpreisiger Designermode bieten Einzelstücke und gegenüber einem Neuerwerb oft ein angenehmes Klima und viel Platz für Inspiration. Der Vintage Chique ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und sogar ein fester Bestandteil mit einem grossen wirtschaftlichen Marktvolumen geworden. Doch wenn nun in der Welt von Mode und Design von „Vintage“ die Rede ist, was bedeutet dieser Begriff genau und wie grenzt er sich von den Begriffen „Antik“ und „Retro“ ab? All diesen Fragen und noch mehr gehen wir hiermit auf den Grund.

Wenn man sich Mühe geben möchte, den Begriff „Vintage“ zu erklären und von Bezeichnungen wie „Retro“ und „Antik“ abzugrenzen, stellt man schnell fest, dass dies gar nicht so einfach ist. Die Definitionen sind teilweise fliesend, fasst man diese jedoch zusammen, lassen sich den Ausdrücken einige Kernpunkte zuordnen.

Der Begriff Vintage leitet sich vermutlich von der Verwendung in der Weinkunde ab, wo Vintage den Jahrgang oder die Lese eines Weines bezeichnet. Ein Vintage-Wein ist ein Jahrgangswein von hoher Qualität, der in einem bestimmten Jahr hergestellt wurde und mehrere Jahre lang gelagert werden kann, um ihn zu verbessern. Vintage wird heute landläufig verwendet, um Kleidung, Schmuck und auch Möbel zu beschreiben, die nicht neu sind, insbesondere wenn sie ein gutes Beispiel für einen Stil aus der Vergangenheit sind. So sollte ein Gegenstand für die Zeit repräsentativ sein, um als würdevoll gealterter Vintage-Gegenstand betrachtet werden. Der Marktpreis von zum Beispiel Vintage Möbeln wird nicht durch das Alter alleine bestimmt, sondern hängt auch von Nachfrage und vor allem der Verfügbarkeit ab. Vintage Möbel finden meist als Akzent in der Gestaltung von Räumen ihre Verwendung. Man darf nicht ausser Acht lassen, dass je nach genauer Definition, mit dem Jahr 2021 auch schon Gegenstände vor dem Jahr 2000 als Vintage bezeichnet werden. Auch hier sind die Gegenstände meistens von hoher Qualität und bleibendem Wert und natürlich repräsentativ für ihre Zeit.

Während per dieser Definition Vintage-Gegenstände mehr als 20 Jahre alt sein müssen, wird bei Handtaschen im Fall von Chanel auch schon bei Taschen aus den Jahren vor 2008 von Vintage-Taschen gesprochen.

Ein weiteres bekanntes Modell, das seinen Weg in viele Vintage Collections findet, stellt zum Beispiel Christian Dior's Lady Dior dar, die ihren Namen zu Ehren der damaligen Princess of Wales trägt und erstmals im Jahr 1994 auf den Markt kam. Die legendäre Tasche ist so eng mit dieser Persönlichkeit verknüpft, dass bis heute Modelle ihren Namen tragen und das Andenken an sie weiterführen darf.

Beispielhaft für beinahe ein ganzes Jahrhundert steht auch das Monogram Canvas von Louis Vuitton. Das legendäre Muster des französischen Spezialisten für hochwertige Lederwaren ist bis heute stilprägend in der Welt des Luxus und eines der bekanntesten Statussymbole mit einem hohen Wiedererkennungswert. Erstmalig fand es 1932 auf der legendären Louis Vuitton Neo Noé seine Verwendung. Die Tasche wurde zum Transport mehrerer Champagnerflaschen konzipiert, von ihr leiten sich auch die noch heute in Produktion befindlichen kleineren Modelle der Noé Serie ab. Auch ältere Taschen, die aus diesem Material hergestellt wurden, stellen bis heute Objekte der Begierde dar und werden zu hohen Preisen gehandelt.

Das bekannteste Beispiel für Vintage-Luxushandtaschen, die sogar als Wertanlage betrachtet werden, dürften die bekanntesten Modelle von Hermés sein. Kelly und Birkin Bags besitzen nach wie vor eine immense Strahlkraft sowie eine starke Verbindung in die Zeit, in der sie auf den Markt kamen. Die Namen der Modelle alleine legen eine Zeitreise in das Jetset-Leben der 60er und 70er Jahre nahe. Heute werden diese Taschen zu hohen Preisen gehandelt, die den ursprünglichen Kaufpreis längst hinter sich gelassen haben. 

Ein klarer Vintage-Trend entwickelte sich Anfang des 21. Jahrhunderts. Ob originales 70er Jahre Mobiliar oder Mode aus den 80’s, die Nachfrage nach diesen Objekten stieg rapide. Die schrillen Farben und die je einzigartige Formensprache dieser Jahrzehnte kamen wieder in Mode und so entwickelten sich Gegenstände aus dieser Zeit zu gesuchten Trophäen für Flohmarktjäger. 

Davon liess sich auch die mit einhergehende Retro-Welle inspirieren. Der Begriff Retro lässt sich von Vintage abgrenzen, indem Retro-Gegenstände bestimmte Details aufgreifen und gerne sogar Spuren von Gebrauch hinzugefügt bekommen. Diese Gegenstände sind nicht wirklich alt, sondern „auf alt gemacht“. Trotzdem oder nicht zuletzt deswegen erfreuen sich diese Produkte bis heute einer hohen Nachfrage und versprühen Vintage Charme ohne alt oder teuer sein zu müssen. Wiederveröffentlichungen und Abwandlungen von Klassikern werden ebenso der Kategorie Retro zugeordnet.

Aktuell werden auch Retro-Handtaschen in unterschiedlichen Preiskategorien angeboten. Chanel und Prada scheinen dabei die Vorlagengeber der Stunde zu sein. Ob Chanel Flap oder Prada Galleria, wer die Originale kennt, wird in den einschlägigen Modehäusern deren Verwandte erkennen. Aber auch die grossen Marken selber scheuen sich nicht einen Blick in die hausinternen Archive zu werfen. So liefert Gucci regelmässig Editionen mit Elementen von legendären Modellen, das bekannteste und wandlungsfähigste scheint dabei die Gucci Jackie mit ihren unterschiedlichen Editionen zu sein. Auch Prada knüpft mit seinen Tessuto Re-Editions an die Erfolge der frühen 2000er an. Die Jahrtausendwende stellt aktuell ziemlich genau die Grenze dar, ab der Inspirationen für Retro-Entwürfe entnommen werden.

Letztlich bietet sich noch eine Abgrenzung zum Begriff „Antik“ an. Auch dieser Bergriff beschreibt Gegenstände aus der Vergangenheit. Diese sollten nach Meinung von Experten allerdings mindestens 100 Jahre alt sein. Als Antiquitäten bezeichnet man Gegenstände, meist künstlerischer oder kunsthandwerklicher Art, die dieses Alter oder darüber hinaus besitzen. Besonders wichtig ist der authentische Zustand dieser Gegenstände um als echte Antiquität gelten zu dürfen. Leider haben nur wenige Textilien aus diesen fernen Zeiten bis heute überlebt. Bezüglich Handtaschen gibt es aber noch vereinzelt die Möglichkeit zum Beispiel in Antiquariaten Jugendstilentwürfe aus den 20er Jahren des vorangegangenen Jahrhunderts zu entdecken. 

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